PEI-Filament: ULTEM 1010, 9085 und Druckanforderungen

Hochtemperatur-Filamente · Werkstoff und Prozess gemeinsam wählen

PEI-Filament besteht aus Polyetherimid oder einer PEI-basierten Mischung. ULTEM ist eine Werkstoffmarke von SABIC; 1010 und 9085 bezeichnen unterschiedliche Varianten. Für den Druck zählen die konkrete Filamentrezeptur, eine geeignete Hochtemperaturmaschine und ein nachvollziehbar geprüfter Prozess.

Hier vergleichst du 1010 und 9085 anhand benannter Produkte, unterscheidest Temperaturkennwerte und planst die ersten Proben. Eine PEI-beschichtete Druckplatte macht einen Drucker dabei noch nicht zu einer Maschine für PEI-Filament.

PEI, ULTEM und PEI-Druckplatten auseinanderhalten

PEI ist ein amorpher Thermoplast. Anders als ein teilkristalliner Kunststoff besitzt er keinen vergleichbaren scharfen Kristallschmelzpunkt. Beim Erwärmen verändert sich sein mechanisches Verhalten, bevor ein für die Verarbeitung geeigneter Fluss erreicht wird. Die Glasübergangstemperatur ist deshalb weder die Drucktemperatur noch automatisch eine zulässige Einsatztemperatur.

SABIC beschreibt ULTEM 9085 ausdrücklich als PEI-Blend. Filamenthersteller können daraus eigene Produkte formulieren. Ein Datenblatt des Rohstoffs, ein Filamentdatenblatt und die Eigenschaften eines gedruckten Bauteils sind drei unterschiedliche Informationsebenen. Auch eine gefüllte PEI-Variante muss getrennt von einem ungefüllten Produkt betrachtet werden.

PEI als Filament

Wird im Hotend verarbeitet und bildet das Bauteil. Entscheidend sind Materialpflege, Temperaturführung, Schichtverbund und die freigegebene Verarbeitung.

PEI auf einer Druckplatte

Ist eine Beschichtung der Bauoberfläche. Sie kann für viele andere Filamente eingesetzt werden. Daraus folgt weder eine Hochtemperaturfreigabe der gesamten Platte noch die Fähigkeit, PEI-Filament zu drucken.

Die Farbe reicht ebenfalls nicht zur Identifikation. „Bernsteinfarben bedeutet 1010, schwarz bedeutet 9085“ ist keine verlässliche Regel. Prüfe Produktname, Datenblatt und Charge, bevor du ein Profil oder einen Kennwert zuordnest.

ULTEM 1010 und 9085: ein nachvollziehbarer Produktvergleich

Die folgende Tabelle vergleicht 3DXTECH THERMAX PEI 1010 und THERMAX PEI 9085. Die Kennwerte stammen aus den jeweiligen technischen Datenblättern, Revision 4. Es sind typische Werte dieser Produkte, keine Mindestwerte für beliebiges PEI und keine garantierten Eigenschaften deiner Bauteile.

KennwertTHERMAX PEI 1010THERMAX PEI 9085
Glasübergang Tg, DSC217 °C186 °C
HDT bei 0,45 MPa, ISO 75208 °C158 °C
Zugfestigkeit, ISO 52756 MPa54 MPa
Zugmodul, ISO 5272.500 MPa2.050 MPa
Dichte, ISO 11831,27 g/cm³1,34 g/cm³
Angabe zur BrennbarkeitV-0 bei 1,5 mm, ausdrücklich auf Basisharz bezogenV-0 bei 1,5 mm, ausdrücklich auf Basisharz bezogen

Beide Datenblätter beschreiben flach in XY gedruckte Proben mit 0,4-mm-Düse, 0,25-mm-Schichten und 100 % Füllung bei wechselnden ±45°-Bahnen. Ein hohler, hochkant gedruckter Halter entspricht diesem Prüfkörper nicht. Vergleiche solche Unterschiede, bevor du Zahlen auf dein Projekt überträgst.

Temperaturwerte vergleichen, ohne sie zu vermischen

Schalte zwischen Glasübergang und Wärmeformbeständigkeit um. Die Skala beginnt bei null; die Balken zeigen die genannten Datenblattwerte. Die Auswahl ist bewusst auf zwei unterschiedliche Kennwerte begrenzt. Eine „maximal sichere Einsatztemperatur“ lässt sich daraus nicht berechnen.

050100150200 °CPEI 1010PEI 9085217186208158
Tg nach DSC beschreibt den Glasübergang. Daraus folgt keine Freigabe für dauerhaften Betrieb unter Last.
HDT nach ISO 75 bei 0,45 MPa beschreibt ein definiertes Verformungskriterium unter festgelegten Prüfbedingungen.

Verarbeitungstemperaturen sind eine weitere Ebene

Die aktuellen 3DXTECH-Produktseiten nennen die folgenden Druckempfehlungen. Sie unterscheiden sich teilweise von den Bedingungen, unter denen die älteren Datenblattproben hergestellt wurden. Übernimm deshalb keinen gemischten Mittelwert aus verschiedenen Quellen.

Produktseiten-EmpfehlungTHERMAX PEI 1010THERMAX PEI 9085
Extruder370–390 °C350–380 °C
Druckbett120–160 °C140–160 °C
Beheizter BauraumEmpfohlen; kein konkreter Sollwert in dieser Tabelle des AnbietersEmpfohlen; kein konkreter Sollwert in dieser Tabelle des Anbieters
Trocknung150 °C für 4 Stunden120 °C für 4 Stunden

Diese Trocknungstemperaturen verlangen dafür ausgelegte Geräte und geeignete Spulen. Sie sind kein Auftrag, einen gewöhnlichen Filamenttrockner zu überlasten. Prüfe Produkt, Spulenträger, reale Temperaturregelung und die Vorgaben zur Verarbeitung. Trockenmittel hält eine bereits trockene Spule geschützt; es ersetzt nicht automatisch das erforderliche Trocknungsverfahren.

Warum ein heißeres Hotend allein nicht reicht

Beim PEI-Druck muss die gesamte Maschine zum thermischen Prozess passen. Der Druckerhersteller AON3D betont die Bedeutung einer gleichmäßigen Temperaturführung und eines aktiv beheizten Bauraums. Seine beschriebenen industriellen Bedingungen unterscheiden sich von den Empfehlungen einzelner Filamentanbieter. Daraus folgt kein allgemeiner Sollwert für jede Maschine: Ein verlässliches Profil verbindet konkretes Material, Drucker und Geometrie.

BereichWas du vor dem Druck klärst
Hotend und MessungSind Heizer, Sensor, Düse, Wärmeübergänge und Regelung für den erforderlichen Dauerbetrieb freigegeben?
BauraumErreicht die Maschine die vorgesehene Temperatur gleichmäßig, auch bei einem großen Bauteil?
Mechanik und ElektronikSind Leitungen, Führungen, Motoren und empfindliche Komponenten für die realen Umgebungstemperaturen ausgelegt oder geschützt?
BauplattePassen Platte, Beschichtung und Haft-/Trennsystem zum vorgesehenen Temperaturbereich?
FilamentversorgungBleibt das getrocknete Material bis zum Hotend unter den vorgesehenen Bedingungen geschützt?
ArbeitsplatzSind Lüftung, Einhausung und Wartung nach Maschinen- und Sicherheitsdatenblatt eingerichtet?

Eine härtere Düse ist bei ungefülltem PEI nicht allein wegen des Materialnamens erforderlich. Bei kohlefaser- oder glasgefüllten Varianten kommt Verschleißfestigkeit hinzu. In beiden Fällen muss die konkrete Düsenbaugruppe für die Temperatur geeignet sein. Ein Düsenwechsel ist keine Freigabe der übrigen Maschine.

Ebenso wenig reicht ein wärmeres Druckbett als Ersatz für ein geeignetes Bauraumkonzept. Wenn ein hoher, dünnwandiger Druck stark unterschiedlich abkühlt, entstehen andere Bedingungen als bei einer kleinen Probe nahe der Platte. Wähle die Maschine anhand der vorgesehenen Geometrien und eines belegten Prozesses, nicht nur anhand der höchsten angezeigten Düsentemperatur.

Vom Datenblatt zum eigenen geprüften PEI-Prozess

  1. Die reale Anforderung definieren

    Schreibe Temperatur, Last, Nutzungsdauer, Kontaktmedien und geforderte Nachweise auf. Ein wärmebelasteter Prüfadapter braucht andere Belege als ein Bauteil für eine regulierte Anwendung. Ohne diese Angaben ist die Auswahl zwischen 1010, 9085 und einer Alternative kaum sinnvoll.

  2. Material und Maschine zusammen auswählen

    Prüfe die genaue Produktbezeichnung und suche ein dazu passendes Maschinenprofil. Lass unklare oder widersprüchliche Vorgaben vom Hersteller klären, bevor du eine große Spule für ein umfangreiches Projekt einplanst.

  3. Materialpflege dokumentieren

    Halte Charge, Trocknung, Lagerung und Zuführung fest. Drucke zunächst eine kleine Probe. Knistern, Blasen oder raue Bahnen können auf einen ungeeigneten Materialzustand hinweisen, sind aber kein Grund, ohne Prüfung einfach die Temperatur weiter zu erhöhen.

  4. Thermischen Zustand stabilisieren

    Verwende die Aufheiz- und Betriebsfolge der Maschine. Ein erreichter Sensor-Sollwert bedeutet nicht automatisch, dass sich Platte, Bauraum und Mechanik bereits gleichmäßig eingestellt haben. Vermeide eigenmächtige Änderungen an Schutzfunktionen.

  5. Funktionsnahe Proben herstellen

    Eine flache Probe kann die Oberfläche zeigen; ein hochkant gedruckter Steg prüft einen anderen Aspekt des Schichtaufbaus. Ergänze einen Ausschnitt mit dem entscheidenden Passmaß und gegebenenfalls eine Probe für den vorgesehenen Temperatur- und Lastfall.

  6. Den gesamten Ablauf festhalten

    Dokumentiere Ausrichtung, Profil, Materialzustand, Nachbearbeitung und Messergebnis. Bei einem Wechsel von Hersteller, Variante oder Maschine prüfst du die Übertragbarkeit erneut. Für eine Serie sind Vergleichsproben und eindeutige Freigabekriterien sinnvoll.

Fehlerbilder sinnvoll zuordnen

BeobachtungMöglicher ZusammenhangNächster Prüfschritt
Verzug oder abgehobene EckenUngleichmäßige Temperatur, Haftung, GeometrieThermischen Ablauf und Bauoberfläche mit dem passenden Maschinenprofil vergleichen
Risse zwischen SchichtenMaterialzustand, Wärmeführung, Durchsatz oder ungünstige OrientierungFunktionsnahe Vergleichsprobe; Änderungen einzeln innerhalb des freigegebenen Bereichs
Blasen und raue BahnenFeuchtigkeit, Überhitzung oder ungleichmäßiger FlussTrocknung und Temperaturführung prüfen, statt reflexartig stärker zu heizen
Gute Optik, schlechte PassungSchrumpfung, Ausrichtung, Abkühlung oder NachbearbeitungKontrollmaße vor und nach jedem Prozessschritt vergleichen
Verschlechterung im LangzeitbetriebTemperaturbelastung von Maschine oder BauteilReale Bedingungen dokumentieren und mit den Freigaben abgleichen

UL 94, FST und Biokompatibilität: Worauf bezieht sich der Nachweis?

Ein Material kann für anspruchsvolle Anwendungen geeignet sein, ohne dass jedes daraus gedruckte Objekt automatisch qualifiziert ist. Die beiden THERMAX-Datenblätter kennzeichnen ihre UL-94-Angabe ausdrücklich als Eigenschaft des Basisharzes bei einer angegebenen Dicke. Diese Einschränkung gehört zur Aussage und darf nicht aus einer Vergleichstabelle verschwinden.

FST steht für Flamme, Rauch und Toxizität. Welche Prüfung verlangt wird, hängt von der Anwendung ab. Stratasys unterscheidet bei ULTEM 9085 unter anderem eine zertifizierte Materialvariante mit zusätzlicher Rückverfolgbarkeitsdokumentation und erweiterten Prüfkriterien. Das zeigt, dass Materialidentität und Dokumentation bereits innerhalb einer Produktfamilie differenziert werden.

  • Identität: Exakte Variante, Farbe, Charge und Lieferkette stimmen mit dem Nachweis überein.
  • Prüfumfang: Norm, Prüfkörper, Dicke, Orientierung und Konditionierung sind bekannt.
  • Prozess: Maschine, Einstellungen und Nachbearbeitung entsprechen dem vorgesehenen Rahmen.
  • Bauteil: Geometrie, Einsatzbedingungen und gegebenenfalls zusätzliche Prüfungen sind abgedeckt.
  • Freigabe: Die zuständige Stelle akzeptiert den vollständigen Nachweis für die konkrete Anwendung.

Dasselbe gilt für Lebensmittelkontakt, Sterilisation, medizinische Anwendungen oder elektrische Isolation. Solche Eigenschaften lassen sich nicht allgemein aus „PEI“ ableiten. Verlange eine Dokumentation für die konkrete Material- und Prozesskette. Für einen normalen Prototypen musst du dagegen keine für seinen Zweck unnötigen Nachweise einkaufen.

Wann lohnt sich PEI-Filament?

PEI lohnt sich, wenn ein dokumentiertes Anforderungsprofil seine Eigenschaften benötigt und ein geeigneter Prozess verfügbar ist. Für ein Einzelstück kann ein qualifizierter Fertigungsdienstleister sinnvoller sein als eine neue Hochtemperaturmaschine. Für regelmäßig wiederkehrende Teile entscheidet die gesamte Prozesskette über Aufwand und Wirtschaftlichkeit.

Vergleiche Materialverbrauch einschließlich Stützen und Proben, Maschinenzeit, Energie, Trocknung, Nachbearbeitung und Prüfung. Eine günstige Spule spart wenig, wenn sich die erforderliche Bauteilqualität nicht reproduzierbar erreichen lässt. Umgekehrt braucht eine unkritische Halterung nicht allein wegen ihrer technischen Optik PEI.

AusgangslageSinnvolle Entscheidung
Nur mäßige Wärmebelastung, keine besonderen NachweiseGeeignete PC-, PC-CF- oder andere technische Produkte anhand echter Anforderungen vergleichen
Hohe Temperatur unter definierter LastThermische und mechanische Daten gemeinsam bewerten; funktionsnahe Langzeitprüfung vorsehen
Vorgegebene ULTEM-Variante und DokumentationLieferkette und freigegebenen Prozess exakt auf diese Vorgabe abstimmen
Nur ein Desktopdrucker ohne passenden BauraumGeeignetes Material oder Fertigungsverfahren wählen; kein pauschales Hotend-Upgrade als Lösung ansehen

Häufige Fragen zu PEI-Filament

Ist PEI dasselbe wie ULTEM?

PEI bezeichnet die Polymerfamilie, ULTEM eine Werkstoffmarke von SABIC. Die konkrete Variante und die Formulierung des Filamentanbieters bleiben entscheidend.

Ist ULTEM 1010 grundsätzlich besser als 9085?

Nein. Ein höherer thermischer Kennwert macht nicht jedes Projekt geeigneter oder wirtschaftlicher. Verarbeitbarkeit, mechanisches Verhalten und geforderte Nachweise gehören zur Auswahl.

Kann ein 300-Grad-Drucker die hier genannten Produkte verarbeiten?

Die genannten Herstellerprofile liegen bei deutlich höheren Düsentemperaturen. Zusätzlich muss das gesamte thermische System geeignet sein. Eine PEI-Beschichtung der Bauplatte ändert diese Grenzen nicht.

Bedeutet Tg 217 °C, dass ein Teil dauerhaft bei 217 °C arbeitet?

Nein. Tg beschreibt den Glasübergang. Eine zulässige Nutzungstemperatur hängt unter anderem von Last, Dauer, Geometrie und akzeptierter Verformung ab.

Kann ich PEI nachträglich tempern?

Eine Wärmebehandlung kann bei amorphen Materialien zur Spannungsreduzierung und Maßstabilisierung eingesetzt werden. Sie ersetzt keinen geeigneten Druckprozess. Verwende nur ein für das konkrete Produkt vorgesehenes Verfahren und prüfe die Maße anschließend.

Quellen und Einordnung

Geprüft am 18. Oktober 2026. Die Grafik visualisiert Herstellerdaten; eigene mechanische oder thermische Prüfungen werden hier nicht behauptet.

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