Artillery Genius 3D Drucker Test

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Vorwort: Der Artillery Genius ist ein kompakter, präziser, leiser und auch schneller FDM 3D Drucker, der es wert ist gesehen zu werden.

 Artillery Genius Artillery Genius

Bilder: Artillery Genius (nicht Pro)

 

Artillery Genius Hersteller Spezifikationen

  • Layerauflösung: 0,1 mm
  • Rahmen: Aluminiumprofile mit Stahlbodeneinheit, Kunststoffbauteile sind aus ABS
  • XYZ Positioniergenauigkeit: 0,05 mm; 0,05 mm; 0,1 mm
  • zu verarbeitendes Material: PLA, ABS, TPU – flexible Materialien
  • Filament Durchmesser: 1,75 mm
  • Nozzle Durchmesser: Standard 0,4 mm bis auf 0,6 mm erweiterbar
  • Maschinendimensionen: 430 x 390 x 510 mm
  • 430 x 390 x 590 mm, mit Spulenhalter
  • Versandkartongröße: 540 x 440 x 320 mm
  • 3D Drucker Gewicht: 8,9 kg
  • Versandgewicht: 10,5 kg
  • Maximale Druckgeschwindigkeit: 150 mm/s
  • Maximale Eilganggeschwindigkeit: 250 mm/s
  • maximales Druckvolumen: 220 x 220 x 250 mm
  • Extruder Type: Titan Extruder (Direct Drive)
  • Maximale Heizbetttemperatur: 130 °C
  • Stromversorgung: 110 V / 220 V mit maximal 450 W
  • Verbindungsmöglichkeiten: USB B, Micro SD-Karte bis 16 GB, USB-Stick
  • Controller Board: 8 Bit MKS Gen L
  • Nozzle Typ: Volcano

Aufbau / erster Eindruck

Artillery Genius Artillery Genius

Lieferumfang

Im Lieferumfang des Artillery Genius 3D Drucker enthalten sind ein Innensechskantschlüsselsatz mit allen nötigen Größen, Schraubenschlüssel, ein USB-B Kabel, Netzkabel, USB-Stick, Ersatz Nozzle 0,4 mm, 2x Ersatz V-Rollen, Kabelbinder, und eine kleine Tasche zum Aufbewahren des Werkzeugs.

Ersatz-V-Rollen und eine Ersatz-Nozzel für das Volcano Hotend sind erwähnenswert, da bei anderen 3D-Drucker-Herstellern so etwas noch nicht zur Grundausstattung gehört.

Anleitung Einschätzung

Die Anleitung lässt, so weit wie ich gesehen habe, keine Fragen offen. Der Artillery Genius 3D Drucker wird mit wenigen Schraubungen und Handgriffen montieren. Lediglich das X/Z Portal muss auf die Basis aufgesetzt und mit den beiliegenden Innensechskantschrauben befestigt werden. Der Spulenhalter oben aufgesetzt, Kabel an den Z-Endstop, den beiden z-Spindelschrittmotoren und Filamentsensor angesteckt und die Mechanik ist soweit fertig.

Auf dem beiliegenden USB-Stick liegt standardmäßig eine Test.gcode Datei bei, die nach dem Einrichten des Genius nur gestartet werden muss. Die Sli3r.ini ist mittlerweile nicht mehr nötig, da der Pusa-Slic3r und Superslicer mittlerweile die Artillery 3D Drucker als Standard aufgenommen haben

Drucker Komponenten Eindruck

Mechanik

Die Mechanik macht einen stabilen Eindruck. Die Base besteht aus beschichtetem Stahlblech, ist schwer und verwindungssteif. Tragende Profile für X, Y und Z sind 20×40 V-Slot Profile und direkt mit der Base verschraubt.

Aufbau x und y-Achse

Die x-Achse ist, wie gegenwärtig üblich, nach dem V-Slot Prinzip aufgebaut. Der Extruder, auf der x-Achse, fährt an einem 20×40 Profil entlang, welcher auf einem mit 3 V-Rollen bestücktem Schlitten montiert ist. Angetrieben über einen Standard Nema 17 Schrittmotor mit faserverstärktem GT2 6 mm Riemen.

Für das Heizbett wurde auf der 3D-Drucker Base ebenso ein 20×40 V-Slot Profil angebracht und wird über 4 V-Slot Rollen in der Spur gehalten. Der GT2 6 mm Riemen wird außer der Mitte zum Heizbett für die vor und zurück Bewegung der y-Achse genutzt.

Stabilität z-Achse

Für die reine Bauhöhe von 250 mm reicht das 20×40 Aluminiumprofil komplett aus. Es fängt so gut wie nie das Zittern an. Erst ab Geschwindigkeiten von 120 mm/s, Beschleunigungswerten von über 2500 mm/s^2 und vielen Wechselbewegungen fängt das Portal an leicht zu zittern.

Kabelführung

Die Kabelführung bei dem Artillery Genius sind mit Flachbandkabel gelöst, hier für z-Achse und x-Achse. So aufgeräumt und gut es funktioniert, hatte der Genius und der X1 über eine längere Laufzeit hier Probleme bekommen. Beim Pro und X2 wurde dies mit Fixieren der Enden der Kabel von Werk aus gelöst. Unter dem Reiter Mods wird hier beschrieben, wie man dies für den Genius und den X1 nachrüsten kann.

Extruder Direct oder Bowden

Der Titan Direct Extruder arbeitet sauber und spricht jederzeit direkt an. Beim Beladen und Entladen sollte man mit dem Kunststoffhebel etwas vorsichtig umgehen, evtl. sogar die Spannfeder etwas entspannen. Dieser kleine Hebel bricht je nach Krafteinwirkung auch mal, ist einem dieser Umstand bewusst und man geht sachte ran, hält er dennoch ein Leben lang.

Druckbett Leistung / Aufheizzeiten

Ein weiterer besonderer Punkt bei der Genius und Sidewinder Serie ist das Heizbett, welches direkt mit 220V Wechselstrom betrieben wird und nicht wie üblich mit 12-24V über das interne Netzteil.

Gemessen hatte ich eine Aufnahmeleistung von knapp 350W im Peak nur das Heizbett, was geringe Aufheizzeiten nach sich zieht. Um von 14°C auf 60 °C zu kommen, benötigte der Artillery Genius nur Min Sek für 90 °C benötigt der 3D-Drucker Min Sek. Was bei vielen 3D-Druckern nun zu einem Marathon ausartet, die 100 °C meistert der Genius in Min und Sek.

Elektronik Innenleben

Der Genius wirkt bei seiner Verkabelung sehr aufgeräumt, wenn auch nicht mehr viel Platz in der Base des 3D Druckers ist. Links von liegt das Herzstück, das MKS Gen L mit leisen 2208 Treibern, die Leitungsführung ist sauber und gut ausgeführt, das Heizbett wird über den Heizbettausgang des MKS Gen L über ein SSR Relais angesteuert.

Features

Ein Feature ist der Synchronriemen für die 2 Z-Spindeln, die die x-Achse immer in Waage halten, auch wenn die Motoren aus sind. Die relativ hohe Steifigkeit des kompletten Rahmens ist zu erwähnen und die durchaus geringe Geräuschkulisse.

Druckvorbereitung und Inbetriebnahme

Die erste Inbetriebnahme ist denkbar einfach. 3D Drucker endmontieren, unter Strom setzen und einschalten. Heizbett und Hotend auf gewünschte Betriebstemperatur einstellen und aufwärmen lassen. Mit einem Kassenzettel, oder auf Sicht, wenn man noch gute Augen und schon ein Gefühl zum 3D Drucker einstellen entwickelt hat.

Die V-Rollen sollten alle noch einmal überprüft werden, damit diese nicht zu straff über die V-Profile rollen. Für mich war immer gut, wenn sich die Rollen immer noch auf der Stelle durchrutschen ließen und das Heizbett oder der Hotend nicht in den Führungen klapperten oder wackelten.

PID Tuning

Normalerweise funktioniert der Artillery Genius out of the box wunderbar, manchmal haben die Sensoren dennoch eine kleine herstellerbedingte Abweichung. Mit der Standard Firmware ist ein PID Tuning über z.b. Pronterface möglich.

Bett Nivellierung

Die Ausrichtung des Heizbetts erfolgt klassisch manuell über die Stellschrauben am Heizbettträger. Dazu Hotend und Heizbett auf Betriebstemperatur aufheizen, etwas warten bis auch die Wärme sich komplett im Heizbett verteilt hat. Die 5 Punkte vom Heizbett nach dem Homen (x vorn links, x vorn rechts, x hinten rechts, x hinten links, Heizbett Mitte). Dies noch einmal mit einem zweiten Durchgang überprüfen.

Erster Testdruck

Auf dem USB-Stick liegt eine *.gcode Datei bei. Filament oben auf den Abroller stellen, durch den Filament Sensor führen und in den Direct Extruder einführen. Nun bei Print das Gcode Programm starten.

Sieht von Haus aus schon perfekt aus.

Lautstärke-Test

Kurz gesagt, die Lüfter sind das Lauteste an dem ganzen Drucker und die sind auch nicht sonderlich laut. Ganz an das Mikrofon an den Drucker ranhalten kommt der Geräuschpegel im Mittel nicht über 36 dB und im Peak nicht über 51 dB.

Stromverbrauch PLA/ABS

Trotz seiner hohen möglichen Leistungsaufnahme von 450 W im Peak, überrascht der Artillery Genion im Stromverbrauch. Die Heizmatte ist von der Unterseite her gedämmt, spart so schon etwas Energie, da die Wärme mehr gerichtet Richtung Druckobjekt wird. Durch den 230V Wechselstrombetrieb fallen hier ebenso die Umwandlungsverluste der Netzteile weg.

Energieverbrauch bei PLA 60 °C Heizbett 210 °C Hotend je Stunde:

Energieverbrauch bei ABS 110 °C Heizbett 240 °C Hotend je Stunde:

Vor- und Nachteile des Artillery Genius

Vorteile:

  • Aufgeräumtes Kabelmanagement
  • 230V Heizbett (stromparend)
  • Volcano Hotend mit Direct-Extruder
  • Leise
  • sehr steifer Rahmen

Nachteile:

  • Die Enden der Flachbandkabel sind nicht gestützt (Tuning unter Mods)
  • Stromzuführung zum Heizbett ist nicht gestützt (Tuning unter Mods)

Fazit zum Original

Der Artillery Genius ist ein gelungener 3D-Drucker in der Klasse der 220×220 Heizbetten. Es gibt im Betrieb und beim Einrichten dieses kompakten Modells nichts auszusetzen. Er heizt schnell auf und ist im Dauerbetrieb noch recht sparsam. Die Drucke die dieser FDM Drucker ausgibt lassen sich vorzeigen. Man kann sehr viele Stunden mit dem Modell Spaß haben, langfristig müssen die Flachbandkabel gestützt werden, die in der Modding und Tuning Sektion beschrieben werden. Kein großer Aufwand, deswegen sollte es auch umgesetzt werden.

Ich vergebe 4 1/2 von 5 wohlgesonnene Daumen.

Bezugsquellen vom Artillery Genius

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Aliexpress* = Link (ca. 305 €)

Bei den mit * versehenen Verweisen handelt es sich um Affiliate-Links, mit denen ihr mir eine kleine Provision zukommen lasst, ohne selbst mehr zu zahlen. Ich danke Euch.

 

Modding und Tuning

Slicer-Profile

Prusa-Slicer /Super-Slicer

Druckbeispiele Galerie

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